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1. Adventssonntag

Mit dem heutigen Tag ist die sogenannte besinnliche Zeit wieder angebrochen. Der erste Adventsonntag eröffnet die Vorbereitungszeit auf Weihnachten, auf die Geburt Jesu.

Der Advent hat immer einen dreifachen Aspekt. Wir erwarten Christus auf dreifache Weise. Erstens natürlich, sein Kommen im Stall von Bethlehem, das vor über 2000 Jahren geschehen ist und dessen wir in 4 Wochen gedenken. Aber nicht nur auf die Geburt in Bethlehem, sondern auch auf das Kommen bei jeder hl. Messe bereiten wir uns vor, besonders, wenn er in der hl. Kommunion in unser Herz kommt. Und die dritte Ankunft hörten wir im Evangelium. Diese Ankunft liegt in der Zukunft. Sie wird am Ende der Zeiten sein. Im Evangelium wurde uns der Menschensohn vor Augen gestellt, der einst mit Macht und Herrlichkeit wiederkommen wird.

Irgendwie aber tun wir uns in diesem Jahr schwerer als all die Jahre zuvor: Kirchenkrise, Glaubenskrise, Pandemie, Inflation, Rezession, Energiekrise und vor allem der so schreckliche Krieg in der Ukraine.

Und gerade in diese Unordnung hinein spricht der Text, den wir heute als Lesung gehört haben. Der Prophet Jesaja stellt seinen Zuhörern vor 2700 Jahren und eben auch uns das einstige Ziel neu vor Augen. Und er tut dies nicht als reine Vision, schon gar nicht als Trugbild. Er spricht von einer Wirklichkeit, für die Gott steht, für die er eintritt und die er garantiert. Er spricht von jenem Ziel das die Menschen vor Jahren so fasziniert hat, dass sie begonnen haben, all die Mühen auf sich zu nehmen. Und er vermittelt seinen Hörern damit wieder ganz neu Mut, Hoffnung und die Zuversicht, dass sich jede Anstrengung am Ende lohnt.  Man hatte doch schon so viel erreicht. Jetzt ja nicht die Flinte ins Korn werfen. Warum denn auch? Den Rest wird man mit Gottes Hilfe, nicht minder schaffen.

Der Prophet rüttelt die Menschen auf, er drängt darauf, das Ziel wieder in den Blick zu nehmen, nicht zu vergessen, wofür man sich müht und worauf man letztlich zugeht.

Die Adventszeit hat keine andere Funktion. Es geht in ihr nicht darum, rührselige Stimmung zu verbreiten. Es geht nicht so sehr darum, Kerzen zu entzünden und gefühlsbeladene Lieder zu singen. Es geht darum, einen Moment inne zu halten, den Alltag zu unterbrechen, um das Ziel wieder in den Blick zu bekommen, um sich bewusst zu machen, wofür sich die ganze Mühe lohnt.

Es gibt keinen Grund, die Flinte ins Korn zu werfen, denn Gott erwartet uns nicht nur, er geht mit uns und er hält uns sogar den Rücken frei. Und das nicht nur, was das große Ziel unseres Lebens betrifft, nein, genauso, was die vielen kleinen, aber für unser Leben nicht minder existentiell wichtigen Ziele angeht.

Lassen wir es uns neu sagen. Lassen wir uns neu vom einstigen Ziel begeistern und lassen wir alle Resignation fahren.

Wie heißt es so schön in der heutigen Lesung? Wir wollen unsere Wege weitergehen; wir wollen sie gehen im Licht des Herrn. Und wir können das tun, weil wir nicht in der ewigen Tretmühle stecken, sondern unser Leben ein Ziel hat und wir mit jedem Schritt diesem Ziel näherkommen.

Brechen wir erneut auf! Gehen wir unsere Wege weiter. Gehen wir sie voll Zuversicht und lassen wir unser Ziel neu – und zwar im Licht des Herrn – lassen wir es neu aufleuchten.

Brechen wir in der Adventszeit 2022 ganz bewusst auf zu einem adventlich gestalteten Konzert, zu einer Rorate Messe, öffnen wir bewusst die Türchen am Adventskalender und auch unsere Haustüren, versammeln wir uns um den Adventskranz – sei es in der Kirche oder in der Familie. Brechen wir auf, weil GOTT uns liebt und gewiss die Unordnung der Welt wieder in Ordnung bringen wird.

Amen.