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3. Adventssonntag

„Freut euch!“ – So ruft uns dieser 3. Adventssonntag mit dem Namen „Gaudete“ zu. Und die biblischen Texte wollen das heute offenbar noch bestätigen: „Jubeln werden die Wüste und das trockene Land, jauchzen wird die Steppe und blühen wie die Lilie… Sagt zu den Verzagten: Seid stark, fürchtet euch nicht! … Die vom HERRN Befreiten kehren zurück und kommen mit Frohlocken. Ewige Freude ist auf ihren Häuptern, Jubel und Freude…“ – So hieß es ja eben in der wunderbaren ersten Lesung aus dem Propheten Jesaja.

„Der hat gut reden…“, könnte man da heute sagen. Haben wir wirklich Grund zur Freude mal abgesehen von den paar freien Tagen zu Weihnachten? Sind es nicht vielmehr Probleme über Probleme, die unser Land spalten, die die Welt immer schwieriger, ungerechter, unübersichtlicher und gefährlicher machen? Können wir da überhaupt noch verantwortungsvoll von „adventlicher Freude“ heute reden? – Ich denke schon. Aber die Freude, um die es hier geht, ist vielleicht eine andere, als die vermeintlich sorglose Heiterkeit, die wir im Alltag so erwarten würden.

Jesaja rief einst seine Hoffnungsbotschaft mitten in eine der größten Krisen des Volkes Israel hinein. Das Land war erobert. Weite Teile der Bevölkerung waren in die babylonische Gefangenschaft verschleppt. Zukunft schien es für Israel, für Gottes auserwähltes Volk, nicht mehr zu geben. Und gerade hier setzt seine prophetische Hoffnungsbotschaft an. Gerade hier spricht Jesaja von einer Freude, die größer ist, als alle Angst, als alle Schrecken, als alle Unsicherheit dieses Lebens.

Ähnlich dürfen wir heute dieses Hoffnungswort, diese Freudenbotschaft, inmitten unserer Welt mit all ihren Fragen und Problemen verstehen.

John Henry Newman bezeichnet den Christen als Men­schen, »der nach Christus Ausschau hält«. Die Advents­zeit übt uns in der Geduld, nicht zu früh mit dem Feiern der Geburt Christi anzufangen und die Geschenke vor­zeitig auszupacken, obwohl uns in den Geschäften schon überall »Frohe Weihnachten« entgegenschallt. Christus ist ein Geschenk, und Geschenke achtet man, indem man auf den Moment wartet, in dem sie überreicht werden. Daher finde ich es schade, dass es in der Adventszeit sog. „Weihnachtsfeiern“ gibt und überall schon die Christbäume hell erleuchtet sind. In den Kirchen jedenfalls brennen nur die 3 Kerzen am Adventskranz und noch kein Christbaum erleuchtet den Kirchenraum.

Wir warten noch. Dieses Warten ist nicht bloß Passivität. Das lateini­sche Wort für »warten«, bedeutet, sich nach vorn auszustrecken. Vorfreude ist die schönste Freude. Wie in der ganzen Adventszeit geht heute der Blick nach vorne, auf Weihnachten hin. Im Tagesgebet bitten wir, dass unser Herz allmählich dafür bereit wird, das Freudenfest zu feiern. Freude kann man nicht verordnen und erzwingen. Vorfreude auch nicht. Deshalb frage ich Sie: Können Sie anerkennen, dass Gott zuerst an uns etwas tun will?

Advent heißt, sich nach vorn ausstrecken.

Daher gefällt mir die Frage von Johannes dem Täufer, die er aus dem Gefängnis seinen Jüngern aufträgt: „Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ Jesus antwortet ihnen: „Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet.“

Lassen wir uns jeden Tag diese Botschaft verkünden! Das wird dann zum Fundament für wahre christliche Freude, und deswegen heißt der heutige Sonntag, an dem dieses Evangelium gehört wird, seit alters her: Gaudete. Freut euch!