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4. Adventssonntag

Alljährlich am 13. Dezember wird neben der Hl. Odilia besonders der Hl. Luzia gedacht. Zwei echt starke Frauen – mitten im Advent. Mit den neuen Erstkommunionskindern haben wir am vergangenen Dienstagabend eine wunderschöne Luzia-Feier bei herrlichstem Winterwetter genießen dürfen. Mit 7 weißgekleideten Mädchen holte ich aus der St. Nikolauskirche das Friedenslicht aus Bethlehem. Dieses Licht wurde dann vor dem Pfarrheim an alle Kinder und Eltern weitergegeben. Die Hl. Luzia zog nun mit ihrem Lichterkranz unserer Prozession voraus. Das Friedenslicht aus Bethlehem erhellte die dunkle Nacht und schenkte den Kindern leuchtende Augen.

In diesem Jahr haben wir den längsten Advent, der vom Kalender her überhaupt nur möglich ist. Fast eine Woche dauert er noch. Nächstes Jahr ist es dann umgekehrt. Da werden wir den kürzest möglichen haben. Aber heuer haben wir Zeit, viel adventliche Zeit. Was haben Sie sich für diese letzte knappe Woche des Advents noch vorgenommen? Stürzen Sie sich nur in den Trubel der Kaufhäuser und Supermärkte, oder hat in dieser langen Adventszeit auch noch etwas anderes Platz?

Eine Anregung für die Gestaltung dieser letzten adventlichen Woche kann das heutige Evangelium geben. Es ruft ja Dir und mir indirekt zu: „Nimm dir Zeit zum Träumen!“ Im Alltag schüttle ich da ja viel zu oft den Kopf und denke an das Sprichwort „Träume sind Schäume“. Vielleicht spricht daraus aber nur die Angst davor, enttäuscht zu werden, Träume zerplatzen zu sehen, von Mutlosigkeit übermannt zu werden.

Im heutigen Evangelium hörten wir von Maria, die mit Josef verlobt war. Josef war ja auch kein typischer „Träumer“, kein weltfremder Hans-guck-in-die Luft. Er war ein solider Handwerker. Die gemeinsame Zukunft mit Maria hatte er gerade in Planung, als er im Traum erfährt, dass Maria ein Kind erwartet. Von ihm konnte es nicht sein. Ein Alptraum war das wohl erst einmal für ihn. Doch was geschah mit Josef und seinem Traum?

Josef war fair. Statt seine Verlobte des Ehebruchs anzuklagen (wie er es nach dem Gesetz hätte tun müssen), wollte er Maria in der Nacht heimlich verlassen. Aber in der Nacht bekam Josef Besuch. Ein Engel erschien ihm im Traum und veranlasste ihn dazu, Maria als seine Frau anzunehmen und das Kind quasi zu adoptieren. Josef war sensibel. Er spürte sich einbezogen in ein größeres, göttliches Spiel, das über ihn hinwegrollte, ihn aber doch zum Mitspieler machte. »Das Kind wird sein Volk retten von ihren Sünden.«- hieß es. Josef hat wohl gespürt, dass das nicht irgendwann bei irgendwem beginnt, sondern bei ihm – sofort. Wie seine Verlobte Maria sagt nun auch er JA zu dem Heilsprogramm Gottes.

Josef hat also dem Traum geglaubt, dem Traum von Rettung und Erlösung. Er hatte – ganz konkret – mit diesem Kind den Traum von einer besseren Welt. Trau ich mich noch von einer besseren Welt zu träumen? Wenn ich beim Aufstehen den Radio einschalte, wenn ich beim Kaffee die Zeitung aufschlage, wenn ich abends die Nachrichten anschaue, zerplatzt jeder Traum von einer besseren Welt, entflieht jede Hoffnung auf weihnachtlichen Frieden. Dennoch – oder gerade deshalb – möchte ich Sie und Euch alle einladen, mit mir und weltweit vielen vielen anderen in dieser letzten Adventswoche diesen Traum vom Frieden, diesen Traum von einer besseren Welt zu träumen; diesem Traum in Gottes Namen zu vertrauen.

Auch heuer hat im Advent wieder ein Kind an der Lampe, die in Bethlehem an der Geburtsgrotte brennt, eine Kerze als „Friedenslicht“ entzündet. Seit 30 Jahren wird dieses Friedenslicht in alle Welt getragen. Es ist ein wunderschönes Zeichen für die Sehnsucht nach Frieden, so wie er einst den Hirten auf den Feldern von Bethlehem verkündet wurde. Die kleine Flamme zeigt aber auch, wie gefährdet dieser Traum vom Frieden ist. So schnell kann eine kleine Flamme verlöschen, so schnell kann in einer Welt voller Hass und Gewalt auch jede Hoffnung auf Frieden zerbrechen. Die Pfadfinder haben dieses Licht heuer auch in die Kathedrale nach Kiew in der Ukraine gebracht – wir sahen die Kinder mit dem Friedenslicht in Händen auf der Titelseite unserer Heimatzeitung.

Ich lade heute dazu ein: Trauen wir diesem adventlichen Traum. Tragen wir symbolisch mit dem Friedenslicht auch unseren Traum vom Frieden weiter. Am vergangen Dienstag haben die weiß-gekleideten Mädchen – der Hl. Luzia folgend -dieses Friedenslicht aus der Geburtsgrotte in Bethlehem durch die dunkle Nacht getragen. Ich lade Euch alle ein – wie Josef – an den Traum Gottes von einer besseren Welt zu glauben. Dann wird vielleicht auch heuer möglich, was wir im Evangelium der Heiligen Nacht hören werden: „Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.“ Amen.