Liebe Pfarrgemeinde !

Der neue Gottesdienstanzeiger beginnt mit dem 14. September. Im Kalender steht an diesem Tag: „Fest Kreuzerhöhung“. Am 13. September 335 war in Jerusalem die neue Konstantinische Basilika über dem Grab Jesu eingeweiht worden, und am folgenden Tag, dem 14. September, wurde dort das von der hl. Helena aufgefundene Kreuz Christi feierlich zur Verehrung gezeigt („erhöht“). Dieses Fest feiern wir Katholiken immer am 14. September gemeinsam mit den orthodoxen Christen in aller Welt, bei denen der Kaiser Konstantin und seine Mutter Helena groß verehrt werden.

„Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die ganze Welt erlöst“ – so beten wir vor allem in der Fastenzeit bei der Kreuzwegandacht. Aber das Zeichen des Kreuzes hat für uns Christen ja während des ganzen Jahres und in unserem ganzen Leben eine überragende Bedeutung: wenn wir uns beim Beginn des Gottesdienstes bekreuzigen, ebenso beim Segen und beim persönlichen Gebet.

Am 22. Sonntag im Jahreskreis hörten wir im Evangelium Jesu Wort an seine Jünger: „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Mt 16,24) Jesus hat seinen Jüngern nicht das Paradies auf Erden versprochen, sondern sie auf mancherlei Bedrängnisse vorbereitet: „Haben sie mich verfolgt, werden sie auch euch verfolgen“ (Joh 15,20); aber er hat ihnen versprochen, dass er sie auf den Weg zum Leben führen wird. Das freilich haben sie erst im Licht des Osterglaubens verstehen gelernt. Und deshalb wurde der Sonntag, der Tag der Auferstehung Jesu, der „erste Tag der Woche“, wie es in allen Osterberichten heißt, zum neuen wöchentlichen Feiertag der Christen und hat den 7. Tag, den Sabbat der Juden, abgelöst. Und deshalb feiern wir jeden Sonntag nicht so sehr als Wochenende, sondern als den Beginn der neuen Woche und holen uns in der sonntäglichen Eucharistie Orientierung und Kraft für die ganze Woche.

Warum ich Ihnen das alles schreibe? Weil ich so froh bin, dass wir auch in den jetzigen Coronazeiten miteinander Gottesdienst feiern können und dürfen! Genau ein halbes Jahr ist es her, seit Mitte März alle öffentlichen Gottesdienste untersagt waren und das kirchliche Leben zum Stillstand kam, und das nicht nur bei uns, sondern weltweit. Niemand von uns hatte je eine solche Situation bisher erlebt. Nach zwei Monaten konnten dann wieder Gottesdienste gefeiert werden, unter strengen Auflagen, die allmählich gelockert wurden. Vor allem der Empfang der hl. Kommunion erschien anfangs sehr schwierig. Ich bin froh, dass wir hier eine verantwortbare Form gefunden haben. Aber die Abstandsregelung verlangt wohl weiterhin, dass nicht allzu viele am Gottesdienst teilnehmen. Das tut weh. Umso schöner waren deshalb auch die Gottesdienste im Freien, wenn es das Wetter erlaubt hat.

Wie wird es weiter gehen? Die deutschen Bischöfe und die kirchlichen Hilfswerke haben für den 6. September recht kurzfristig zu einer Corona-Kollekte und einem Weltkirchlichen Sonntag des Gebets und der Solidarität mit den Leidtragenden aufgerufen. Auch in Zukunft sind wir zum Mithelfen eingeladen. Wir wissen noch nicht, was die kommenden Wochen und Monate konkret mit sich bringen werden. Aber wir wissen, dass die Kirchenglocken uns an den Sonntagen und Werktagen zur gemeinsamen Feier der Eucharistie einladen. Darüber hinaus werden wir aber auch Zeit zum persönlichen Beten und zum Lesen in der Heiligen Schrift haben und Jesu Wort als wahrhaft froh machende Botschaft für uns neu entdecken.

Es dauerte mehrere Jahrhunderte, bis für die Christen das Kreuz zum Zeichen des Heiles und der Erlösung geworden ist. Zu groß war anfangs das Entsetzen über die vielen Kreuzigungen in römischer Zeit. Aber dann finden wir in den romanischen Kirchen, wie in Innichen (Südtirol),  Christus am Kreuz mit einer Königskrone, und unter dem Kreuz Maria und den Lieblingsjünger Jesu. Er steht stellvertretend für uns selber.

Helfen wir einander beim Kreuztragen und bei allen Herausforderungen die das Leben derzeit mit sich bringt.

Herzlichen Gruß! Pfarrer i.R.