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Vom Erstkommunikant und Ministrant zum Ruhestandspfarrer

Vor genau 66 Jahren, am 25. April 1954, durfte ich in unserer Murnauer Pfarrkirche das Fest meiner Erstkommunion feiern. Von der kirchlichen Feier, die wegen der eucharistischen Nüchternheit schon um 8.00 Uhr früh stattfand, gibt es leider keine Fotos mehr, wohl aber anschließend von zuhause beim Schneidergaßl 3 hinterm Angerbräu, wo ich zusammen mit meinem Freund, dem Kölbl Sepperl vom Burggraben, für ein Erinnerungsfoto stillhalten sollte. Ich war damals gerade achteinhalb Jahre alt und war über den Kommunionanzug mit langer Hose, weißem Hemd, Fliege und Lackschuhen mächtig stolz, ebenso über die Kommunionkerze, die bei den Buben golden verziert war, während es bei den Mädchen nur eine silberne Verzierung gab. Den repräsentativen Zaun vom Bauer Steigenberger gibt es übrigens heute noch genauso wie damals!

Das zweite Bild entstand bereits drei Monate später am 21. Juli 1954, an meinem ersten Ministrantentag, zusammen mit meinem Schulkamerad Fastl Festl vom Untermarkt und unserem hochgeschätzten Pfarrer Philipp Madlener. Zwei Fehler habe ich damals bei meinem ersten Ministrieren gemacht: Zuerst habe ich das große Messbuch, das zwischen der Lesung und dem Evangelium zusammen mit dem hohen Buch-ständer (den unser Pfarrer Schindele heute noch benützt) von einer Altarseite zur anderen mit Kniebeuge getragen werden musste, zu Boden fallen lassen, und dann habe ich auch noch an einer falschen Stelle mit der Altarglocke geläutet. Wie froh war ich, dass dies damals noch nicht das Ende meiner kirchlichen Karriere bedeutet hat und ich, trotz meiner Fehler, auch weiterhin ministrieren durfte.

Damals, vor sechsundsechzig Jahren, habe ich mir nicht träumen lassen, dass ich jetzt als Ruhestands-pfarrer in meiner Heimatpfarrkirche Tag für Tag die Heilige Messe feiern würde. Eigentlich hätte ich in wenigen Tagen, am 9. Mai, zusammen mit den Schulkameraden von damals das 75er Treffen feiern können. Das muss noch etwas warten, bis nicht nur die Mariahilfkirche, sondern die entsprechende Wirtschaft wieder geöffnet sein wird.

Unsere diesjährigen Erstkommunionkinder müssen heuer noch bis in den Herbst warten, bis sie das Fest ihrer Erstkommunion feiern werden. Aber wir alle können uns in diesen Tagen an unsere eigene Erstkommunion erinnern und werden darüber Manches zu erzählen wissen. Viel wichtiger aber ist für uns, dass wir bald wieder die Heilige Messe mitfeiern und zur hl. Kommunion gehen können – in großer Freude und Dankbarkeit.

Herzlichen Gruß! 

Ihr Peter Guggenberger, Pfarrer i.R.