Aktuelles & Neuigkeiten

„Es geschieht zu jeder Zeit etwas Unerwartetes; unter anderem ist auch deshalb das Leben so interessant.“

Ja, das ist wahr. Marie von Ebner-Eschenbach dachte dabei zwar gewiss nicht an eine Pandemie. Aber alles Unerwartete – das kleine und das große – fordert uns heraus. Die Corona-Krise ist weit mehr als nur etwas Unerwartetes. Schonungslos und mit einer Wucht, wie wir sie uns vor wenigen Wochen noch nicht hätten vorstellen können, wird uns gewahr, dass wir uns auch hier in Deutschland und Europa von der Illusion des Alles-Machbaren verabschieden müssen und wir verwundbar sind. Das Virus unterscheidet nicht zwischen Kontinenten und Ländern, zwischen arm und reich oder schwarz oder weiß. Es betrifft uns alle und jeder von uns ist aufgefordert, seinen Beitrag zu leisten.

In den vergangenen Wochen ist vieles aus dem Tritt geraten. Liebgewordene Gewohnheiten, normale tägliche Abläufe, schöne Begegnungen oder interessante Veranstaltungen mussten geändert, abgesagt oder verschoben werden. Das sind einschneidende Maßnahmen, aber mit Blick auf die Gesundheitsgefährdung vieler Menschen notwendige Schritte. Mir ist dabei noch viel existentieller bewusst geworden, was es bedeutet, das eigene Leben aus dem Glauben an die Auferstehung und die uns damit zuteil werdende Erlösung durch unseren Herrn Jesus Christus zu gestalten.

Ein junger Autor schreibt: „Wieder einmal verbrachten wir unsere Ferien in dem normannischen Küstendorf. Wieder wollten wir den Weg auf die Klippen wandern. Der Zugang von unserem Ferienhaus aus war aber im Laufe des Jahres zugewuchert. Dichtes Gestrüpp, von Dornenranken und Brennnesseln durchsetzt, ließ den Weg kaum noch erkennen. Es galt, einen Weg zu bahnen – und das in sommerlicher Kleidung, also in kurzen Hosen. Ich ging voran, die Kinder folgten mir. Der Marsch war alles andere als angenehm und hinterließ bei mir etliche Kratzer und Einstiche. Aber das machte mir nichts weiter aus, denn das Ziel hatte ich erreicht: Die Kinder kamen heil davon. So kommen auch wir heil davon, weil Jesus uns den Weg gebahnt hat, weil er für uns die Dornenkrone trug und sich am Kreuz durchbohren ließ. Durch seine Wunden sind wir geheilt.“

Gewiss kennen sie das Adventslied: „Maria durch ein Dornwald ging ….da haben die Dornen Rosen getragen.“ Jetzt im Marienmonat Mai feiern wir am Sonntagabend eine Maiandacht. Dort gilt es Maria zu danken für ihr JA, die Mutter Jesu zu werden. Obwohl wir auch von den Sieben Schmerzen Mariens wissen, die wie Schwerter in ihr Herz eingedrungen sind, verdanken wir ihr den Erlöser, der aus Liebe zu uns die Dornenkrone trug.

Die Stimme Jesu klingt aus einer alten Zeit zu uns herüber. Sie ist oft leise und braucht Verstärker. Für mich sind unsere Gottesdienste – die wir jetzt wieder gemeinsam feiern dürfen – die „Verstärker“ der Botschaft Jesu. In ihnen höre ich seine Stimme – Worte des Trostes und der Aufmunterung, aber auch fragende und provozierende Worte: Lässt du mein Evangelium wirklich an dich heran, und schöpfst du schon alle Möglichkeiten aus, um es anderen ans Herz zu legen?

Auf die Stimme Jesu hören – das ist das eine. Aber sich in seiner Spur bewegen; ihm nachfolgen; seine Worte in die Tat umsetzen; machen, was er sagt – das ist das andere. Zum „Follower“ Jesu werden – mich in seine Gedanken und Ideen vertiefen und an ihnen mein Handeln ausrichten; mich interessieren für seinen Lebensstil, für seinen Umgang mit den Menschen und daran Maß nehmen. Zum „Follower“ Jesu werden – denn so sagt der dänische Religionsphilosoph Sören Kierkegaard: „Jesus will keine Bewunderer, er braucht Nachfolger.“ „Meine Schafe hören auf meine Stimme. Ich kenne sie und sie folgen mir“ – sagt Jesus, der gute Hirte.

Der größte Schatz der Kirche sind die Christen: Frauen und Männer, in denen der Heilige Geist wirkt und die den Glauben in ihrem Handeln, Reden und Beten lebendig werden lassen. Sie sind diejenigen, die der Kirche ein Gesicht und dem Glauben Leben geben. Gerade im Blick auf das nahende Pfingstfest könnten wir sagen: „Sie brennen für etwas – sie brennen für IHN!“

Wie überzeugend, wenn wir uns nicht durch schlechtes Reden, sondern durch gutes Tun auszeichnen!

Ihr Pfarrer Siegbert G. Schindele