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„Dem Vergangenen Dank, dem Kommenden Ja!“

So schreibt Dag Hammarskjöld Anfang 1953 in sein Tagebuch. Diese Worte kommen von einem Menschen, der sich als Generalsekretär der Vereinten Nationen bis zur Erschöpfung für den Frieden in der Welt einsetzte und der bei einem, vermutlich durch ein Attentat verursachten, Flugzeugabsturz ums Leben kam. Welch tief gläubiger Mensch er war, erfuhr die Nachwelt erst durch sein geistliches Tagebuch „Zeichen am Weg“, das in seinem Nachlass gefunden wurde.

Dankbarkeit, so legen es die Worte von Dag Hammarskjöld nahe, ist die Antwort einer lebendigen Gottesbeziehung. Lebe ich im Bewusstsein, dass mein Leben ein Geschenk und nicht eigener Verdienst ist, dann bin ich ein dankbarer Mensch. Nur dann, wenn ich für alles in meinem Leben zu danken vermag – für das Schöne wie für das Schwere – nur dann kann ich dem Kommenden mit einem JA, das heißt zugewandt und offen begegnen.

Die Dankbarkeit erzeugt in meinem Herzen Freude und Zufriedenheit und Glück. Das sieht auch der Kolosserbrief so. Er mahnt uns: „Dankt dem Vater mit Freude!“ (Kol 1,12) Und Dankbarkeit erzeugt den Frieden Christi in unserem Herzen. (Vgl. Kol 3,16) Wenn wir dankbar sind, bleiben wir verwurzelt in Jesus Christus. (Vgl. Kol 2,7) Indem wir dankbar sind, verwandelt sich unsere innere Stimmung. Wir empfinden in uns Freude und Frieden.

Es ist gut, wenn wir die Dankbarkeit in einem Ritual einüben. Gerade der Abend ist dafür geeignet, mit Dankbarkeit auf den vergangenen Tag zu schauen. Noch dichter können wir den Dank wahrnehmen in der Feier der sonntäglichen Eucharistie als Mitte unseres Glaubensvollzugs, die ihrem Wesen nach eine große Danksagung ist.

In den letzten Wochen war das allerdings gar nicht so einfach. OSTERN mussten wir digital feiern und PFINGSTEN durften wir zwar analog feiern, doch mit zahlreichen Einschränkungen und Auflagen. Eine Frau sagte mir kürzlich, solange wir Mund-Nasen-Bedeckung tragen müssen, komme sie nicht in die Kirche. Dies höre ich leider immer wieder. Bisher waren unsere beiden großen Kirchen noch nie überfüllt – das heißt, es musste niemand abgewiesen werden.

P. Anselm Grün schreibt: „Dankbarkeit ist ein Schlüssel zu mehr Zufriedenheit.“ In seinem Buch „Vom Glück der kleinen Dinge“ lädt er zu dieser Haltung ein. Er beschreibt, wie dies gelingen kann: „Voraussetzung für die Dankbarkeit ist, dass ich innehalte und das, was mir in diesem Augenblick geschenkt wird, wahrnehme.“ In diesem Sinne möchte ich alle, die noch nicht zu unseren Gottesdiensten in die Kirche kommen können oder möchten, zur bewussten Mitfeier eines Gottesdienstes einladen, den ARD oder ZDF übertragen oder den man mittels Livestream aus der Pfarrkirche mitfeiert wie an OSTERN.

Es geht vor allem um ein bewusstes Mitfeiern, nicht um ein beiläufiges Gucken etwa während des Frühstücks. So wie man sich bewusst auf den Weg zur Kirche macht und entsprechend anzieht, sollte man nicht im Schlafanzug auf der Couch sitzen, nur weil es bequem ist und es niemand sieht (bei Kranken ist das natürlich etwas anderes).

Auch der Raum, in dem der Gottesdienst mitgefeiert wird, sollte frei sein von dem, was jetzt nicht gebraucht wird und ablenkt. Am Beginn der Feier kann eine Kerze – vielleicht die Osterkerze – entzündet werden, das Kreuzzeichen wird gemacht, Antworten, Akklamationen und gemeinsame Gebete werden laut mitgesprochen. Vielleicht steht man sogar zu den Gebeten auf. Das Gotteslob kann wie in der Kirche mitbenutzt, die Lieder können mitgesungen werden.

Ganz sicher ist das für viele zunächst ungewohnt. Aber auch das ist eine Form gemeinsamen Feierns. Die Häuser bzw. Wohnungen waren die ersten liturgischen Orte, an denen sich Christen versammelt haben. So wünsche ich Ihnen allen, ob Sie nun am Sonntag in der Kirche oder zuhause vor dem Bildschirm die Heilige Messe mitfeiern, dass Sie die große Danksagung GOTT gegenüber als Trost und innere Zurüstung erfahren.

Ich sage Ihnen von ganzem Herzen „Danke“ für Ihre Verbundenheit.

Ihr Pfarrer Siegbert G. Schindele