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Selten habe ich in meinem Leben den Frühling so intensiv erfahren wie in diesem Jahr 2020.

Während das Corona-Virus die Menschen weltweit bedrängt, in den Tagen, da ein Versammlungsverbot für alle Bürger unseres schönen Bayernlandes galt, und sogar eine Ausgangssperre wie in Italien und Spanien drohte, gehe ich durch die aufbrechende Natur. Es ist wunderschön! Die Vögel trillern fröhlich in den Tag hinein, der Kuckuck ruft, das Eichhörnchen huscht über den Weg und erklimmt den nächsten Baum und hangelt sich von Ast zu Ast; und es blüht: Gänseblümchen, Schlüsselblumen, Primeln, Narzissen, Veilchen; und dem Gras scheint auch der kalte Regen zu bekommen. Alles Lebendige, Pflanzen und Tiere, wachsen, sprießen, gedeihen, bewegen sich – und die Menschen ziehen sich zurück, müssen es tun – aus Angst, aus Rücksicht, aus Vorsicht, um Ansteckung zu vermeiden, um sich selbst und andere nicht zu gefährden. Die Natur braucht uns Menschen nicht. Sie gedeiht auch ohne uns, selbstverständlich und prächtig. Die Schöpfung – wie wir als Gläubige sagen – kommt gut ohne uns Menschen aus, obwohl wir ein Teil von ihr sind; und obwohl wir selbst denken, wir seien die wichtigsten Geschöpfe.

Mir gehört die ganze Erde – sagt Gott zu seinem Knecht Mose vor 3200 Jahren, der auf den Gottesberg Horeb hinaufgestiegen ist. Er soll dem Haus Jakob und den Israeliten verkünden: Mir gehört die ganze Erde, ihr aber sollt mir als ein Königreich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören. Das Universum, alles, was ist, steht seit seiner Entstehung in Beziehung zu Gott. Alles, was ist, trägt eine ursprüngliche Verbindung zum Schöpfer in sich. Von ihrem Ursprung her ist die ganze Erde göttlich.

Aus dem Ganzen der Erde erwählt Gott ein kleines Volk für sich. Zuerst erinnert er dieses Volk daran: Du hast gesehen, wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und zu mir gebracht habe. Am Fuß des Gottesberges Horeb sollen die israelitischen Stämme sich vergewissern: Wie sind wir eigentlich hierhergekommen? Wie konnte das Unglaubliche geschehen, dass wir der Übermacht der Ägypter entkommen konnten? Israel soll also erkennen: Es war Gott, der uns befreit hat; es war Gott, der uns, ein kleines Völkchen, wie eine Glucke unter die Flügel nahm und in Sicherheit gebracht hat.

„Ihr habt gesehen, wie ich euch auf Adlerflügeln getragen habe“ – das sagt Gott heute zum neuen Israel, zur Kirche. Mit 12 Menschen hat sie begonnen, einer hat Jesu verraten, einer verleugnet; bei der Auferstehung Jesu ist es noch ein erschrecktes Häuflein. An Pfingsten hat Gott die Apostel „hinausgeschubst“ aus dem geborgenen Kreis, und die Kirche breitet sich aus über die ganze Welt. Und diese Kirche wird auf den „Adlerflügeln“ getragen in Zeiten der inneren Zerrissenheit und Spaltung, in Zeiten der äußeren Bedrohung und Verfolgung, in Zeiten, in denen die Kirche zu verweltlichen drohte. Diesen Adlerflügeln dürfen wir auch heute trauen, wenn der lautlose Abfall stärker und der Einfluss der Kirche in Europa geringer wird. Dieses Vertrauen soll gestärkt werden, wenn wir die Psalmen – die Gebete Israels – heute beten: „Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich.“ Wir sind getragen und bekommen von IHM neue Kraft – gewiss auch nach dieser Corona-Pandemie.

„Ihr habt gesehen, wie ich euch auf Adlerflügeln getragen habe“ – das gilt auch für mich und mein persönliches Leben. Wie oft hat mich Gott „herausgeschubst“ aus einem „warmen Nest“: bei einer neuen Aufgabe – „Nein, die packe ich nicht!“; bei einer besonders schweren Situation – „Davor fürchte ich mich!“; in einer großen Not – „Wie komme ich da bloß heraus?“; bei Mutlosigkeit – „Das hat doch alles keinen Sinn mehr!“ Und auf einmal, als ich glaubte zu fallen, „abzustürzen“, spürte ich, wie ich landete auf den starken Adlerflügeln Gottes, die plötzlich „getragen“ haben. Da wurde Wirklichkeit, was ich oft und gerne singe: „In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet.“

Die Schöpfung kommt gut ohne uns Menschen aus. Doch weil der Mensch die Sehnsucht Gottes ist und er jeden einzelnen von uns liebt – wird er uns nie vergessen!