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Kennen Sie Vincent van Gogh?

Vincent van Gogh hat eine tragische Lebensgeschichte. Seine Bilder allerdings sind heute weltberühmt.

„Der Sämann“ gehört zu meinen Lieblingsbildern und das Gleichnis vom Sämann aus dem Matthäusevangelium gehört zu meinen Lieblingstexten. Hier vergleicht Jesus jedes Wort mit einem Saatkorn. Jesus erzählt seinen Jüngern wohl dieses Gleichnis, weil diese am Erfolg der Aussaat guter Worte zweifeln. Jesus hat sich selbst und seine Arbeit – so denke ich – im Bild des Sämanns gesehen: Drei Viertel seiner Arbeit bei der Verkündigung der Frohen Botschaft umsonst, drei Viertel des Guten, das er ausgesät hat, vergebliche Liebesmüh. Drei Viertel dessen, was er ausgesät hat an Liebe, an guten Worten, an Beispiel und Lehre, auf dem Weg zertreten, von Dornen überwuchert oder zwar scheinbar aufgegangen, aber dann doch verdorrt, weil das Erdreich nicht tief genug war.

Das scheint nicht sehr ermutigend zu sein! Oder doch? Das eine Viertel, das auf guten Boden gefallen ist, bringt reiche Frucht. Hundertfach, sechzigfach, dreißigfach! Dieses eine Viertel zeigt, es hat sich trotz allem gelohnt! 

Mir scheint, dieses Evangelium heute lehrt uns, den Blickwinkel Jesu zu verstehen, denn er hat nicht voller Zorn und Enttäuschung immer nur auf das geschaut, was vergeblich war und keine Frucht gebracht hat, sondern er hat unverdrossen daran festgehalten, das Gute wie Saatkörner auszustreuen, im Vertrauen darauf, dass ein Teil davon – und sei es auch der kleinere – schon Frucht bringen wird und dass diese Frucht seinen Einsatz lohnt.

Diesen Blickwinkel Jesu dürfen wir uns zu eigen machen, dazu lädt uns das Evangelium ein. Es lädt uns ein, nicht wie gebannt auf das zu starren, was von unseren guten Worten und guten Taten vergeblich gewesen ist – vergebliche Liebesmüh sagen wir dann oft dazu. Es lädt uns ein, uns nicht dadurch entmutigen zu lassen, sondern unbekümmert weiter auszusäen. Was auszusäen? Gute Worte und gute Taten! 

Worte der Versöhnung etwa: „Ich verzeihe dir, vergessen wir, was war“! Und auch wenn der größere Teil dieser Versöhnungsworte nicht angenommen würde und vergeblich wäre, der kleinere Teil, der Frucht bringt, entschädigt dafür hundertfach!

Worte der Ermutigung; einladende Worte; Worte, die die Richtung weisen – mag auch ein Teil davon umsonst sein, mag auch der größere Teil davon umsonst sein - wie wir das manchmal vielleicht schmerzlich spüren -, der Teil, der Frucht bringt, der lohnt all unsere Mühe!

Wie Gott nicht knausrig ist in der Aussaat des Guten, sondern immer wieder seine Worte und Taten in unser Leben hineinsät, so sollen auch wir nicht knausrig und ängstlich berechnend sein mit den guten Worten und Werken, die wir anderen schenken.

Wer so sät, erntet Zuversicht schon im Säen.

Wer so sät, findet den langen Atem.

Wer so sät, kann sich freuen über das nicht geahnte, nicht erwartete, nicht berechnete Ergebnis.

Mögen die Chancen auch 1 : 4 stehen – kein Grund zu resignieren, kein Grund, die Hoffnung aufzugeben. Das Gleichnis vom Sämann lädt ein, die Zuversicht neu zu entdecken. Das bedeutet Reich Gottes: Leben in Fülle!

Ihr Dekan Siegbert G. Schindele