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Ältester Männerverein der Welt, ...

... Ort des Machtmissbrauchs und der sexuellen Ausbeutung – es gibt vieles, was man der katholischen Kirche vorwerfen kann. So begann ein Artikel in der WELT.

Aber Kirche ist mehr als die Summe ihrer Sünden. Kirche und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind wesentliche Stützen des Wohlfahrtssystems. Viele Menschen entscheiden sich bewusst für kirchliche Krankenhäuser oder Altenheime, weil sie eine Zugewandtheit erwarten, die über den Dienst nach Vorschrift hinausgeht. Eltern schätzen kirchliche Kindergärten und deren Wertevermittlung. In Deutschland gehören die konfessionellen Schulen zu den besten und beliebtesten.

Allen Austrittswellen zum Trotz gehören noch immer mehr als 22,6 Millionen Deutsche zur katholischen und 20,7 Millionen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an. Für einen erheblichen Teil von ihnen sind die Gemeinden Orte der Sinnstiftung und Gemeinschaft, Orte, in denen bewusst die Regeln eines menschlichen Miteinanders zumindest gelehrt werden.

Die neue päpstliche Enzyklika ruft auf ganz besondere Weise die gesellschaftliche Funktion der Kirche in Erinnerung – als Mahner, als Finger in die Wunden einer Welt, die sich mit hemmungsloser Gier selbst zerstört. „Fratelli tutti – Über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft“ heißt die dritte Enzyklika von Papst Franziskus, die er am 3. Oktober in Assisi, der Wirkstätte seines Namensgebers und Vorbildes, des Heiligen Franziskus, unterzeichnet hat. Ausgehend vom Gleichnis vom barmherzigen Samariter ruft er zu einer neuen geschwisterlichen Weltordnung auf, deren Notwendigkeit nicht zuletzt die Corona-Krise und die sich darin offenbarende Unfähigkeit zum gemeinsamen Handeln vor Augen geführt habe.

Die Forderungen des Papstes sind radikal. Er zeigt sich als kompromissloser Pazifist, spricht sich explizit gegen die Todesstrafe aus. Er kritisiert einen rücksichtslosen Kapitalismus. Er wendet sich gegen „wütende und aggressive Nationalismen“ und fordert Solidarität mit den Ärmsten. 

aus: "Papst Franziskus in der Rolle des Utopisten" von Claudia Becker