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Erntedank

Erntedank ist für mich eines der schönsten Feste im Kirchenjahr. Es ist sinnlich und das spüren wir auch im Gottesdienst. Wir sehen und riechen all die aufgebauten Köstlichkeiten. Wir können die Erntegaben sogar anfassen und so begreifen, was wir feiern. Und das unterscheidet dieses Fest von Ostern, Weihnachten und Pfingsten. Die bringen uns eher in Erklärungsnöte, weil die Namen dieser Feste nicht für ihren Gehalt stehen. Erntedank erklärt sich selbst, wir wissen, worum es geht: Dank für die Ernte. Und so danken wir heute für alles, was in Gärten und auf Feldern gewachsen ist. Dass wir von Katastrophen wie Dürre oder Überschwemmung verschont geblieben sind. Wir freuen uns über Obst, Gemüse und Getreide, denn unser Lebensunterhalt ist gesichert - für das tägliche Brot ist gesorgt. Aber ist Erntedank nach dieser Beschreibung bloß ein Fest der Bauern und Gärtner? Also für diejenigen, die unmittelbar an Saat, Pflege und Ernte beteiligt sind?

Heute, zu Erntedank geht es um alles, was unsere Existenz ausmacht. Es geht ums Einkommen: Um die Arbeit, die uns ernährt. Um die Leistung, die wir bringen müssen, damit wir uns etwas leisten können. Es geht aber auch ums Auskommen: Um die Kollegen, die uns im Beruf begleiten, um die Familie, die uns trägt, um die Freunde, auf die wir uns jederzeit verlassen können. Erntedank lenkt unseren Blick auf die Summe unserer Lebensbedingungen. Auf alle Gaben, die uns geschenkt werden. Sicher, wir sind auch fleißig, wir strengen uns schon an. Aber das tun viele, denen geht es trotzdem nicht so gut wie uns. Wer kurz innehält, wird feststellen: Der größte Teil dessen, wovon wir leben, ist Geschenk. Ich kann nichts dafür, dass ich hier geboren bin und nicht in irgendeinem Elendsviertel am Rande der Welt. Ich kann nichts dafür, dass meine Eltern darauf geachtet haben, dass jedes ihrer Kinder eine gute Ausbildung erhält. Ich kann nichts dafür, dass mein Land, Deutschland, seit über einem halben Jahrhundert für Frieden, Chancengleichheit und Rechtsstaatlichkeit steht - im Großen und Ganzen. Erntedank erinnert uns daran: Der größte Teil dessen, wovon wir leben, ist Geschenk, ist Gabe. An dieser Gabe dürfen wir uns freuen, nach Herzenslust. Gott sei Dank, dass Gott für uns sorgt. Dass uns das tägliche Brot nicht ausgeht und die Liebe nicht abhandenkommt. Wir feiern heute, weil das Leben so schön ist und Gott es gut mit uns meint. Genieße, was du hast, du hast allen Grund zu danken: Danke für alle Gaben.

Jetzt kommt unser Lesungstext ins Spiel. Ein Text aus dem Buch Genesis. Da hörten wir: „Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm ebenbürtig ist. Gott, der HERR, formte aus dem Erdboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und führte sie dem Menschen zu, um zu sehen, wie er sie benennen würde. Und wie der Mensch jedes lebendige Wesen benannte, so sollte sein Name sein. Der Mensch gab Namen allem Vieh, den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes. Aber eine Hilfe, die dem Menschen ebenbürtig war, fand er nicht. Erst als Gott dem Menschen eine Frau an die Seite stellt wird er von nun an Mann genannt.

Von Mann und Frau ist auch im heutigen Evangelium die Rede: an die Tragik einer Ehescheidung hat der Evangelist Markus noch eine liebevolle kleine Szene angefügt: „Man brachte Kinder zu Jesus, damit er ihnen die Hände auflege“. Sehr klug hat er diese wenigen Zeilen an das Streitgespräch über die Ehescheidung angefügt. Wenn Jesus diese Kinder nun segnet, gilt den Erwachsenen die Botschaft: „Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“ Das Reich Gottes hat mit Jesus Christus begonnen und mündet in die Fülle von Glück und Freude im Himmel. Heute am Erntedankfest wollen wir auch dafür danken.

27. Sonntag im Jahreskreis – Erntedankfest – Tag der Deutschen Einheit! Es ist viel für diesen 3. Oktober 2021. Daher lassen Sie uns voll Ehrfurcht und Dankbarkeit nicht nur auf das vergangene Jahr zurückblicken, sondern auch auf unser bisheriges Leben. Wir tun das in der Eucharistiefeier, indem wir mit Brot und Wein unsere Gaben, ja unser ganzen Leben vor Gott bringen.

Zwei Dinge, denke ich, sind dabei wichtig: einmal sollen wir mit Freude auf das schauen, wo wir uns angestrengt haben und was wir mit unserer Arbeit – z. B. im Garten - selbst erreicht haben; und zum zweiten sollen wir in Dankbarkeit und Ehrfurcht das annehmen, was wir nicht selbst im Griff haben, ja, wo wir über das Leben, die Mitmenschen und über Gottes Größe nur staunen können. Danke guter Gott, für alles was du uns gibst!

Amen.