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Beati voi poveri di spirito

20. Juni 2021, es ist 23:55 Uhr. Das große EM-Finale zwischen England und Italien ist zu Ende. Die Italiener konnten im Elfmeterschießen das Spiel für sich entscheiden. Und das in Wembley! 60.000 Zuschauer toben. Die allermeisten ohne Gesichtsmaske, so gut wie keiner hält den nötigen Abstand. Alles schreit, lacht, tanzt – am Beginn der nächsten Corona-Welle. England hat am Tage des Finales eine Inzidenz von über 300 der Delta-Variante. Das Spiel ist aus.

Es wird wieder leise; 0:22 Uhr; auch in der Wohnung hört man nichts mehr. Doch, das Ticken der Wanduhr. Gleichmäßig und schnell. Jede Sekunde zählt, jede Sekunde ist ein Schritt weiter auf den nächsten großen Corona-Ausbruch zu.

Wir haben es nicht begriffen. Unser „schneller, weiter, besser, noch besser, noch viel besser“ hat diese Welt in ihren Grundfesten erschüttert. COVID-19 rast seit März 2020 um diese Welt. Unzählige Tote, noch viel mehr Erkrankte. Langzeitfolgen nicht absehbar. Und wir, wir feiern.

Als der Pokal herumgereicht wird, denke ich, ja, auch wir tanzen wieder um das Goldene Kalb herum. Wir haben unsere Gründung verlassen und erheben uns über die Natur. Der Mensch wieder einmal mehr Dornenkrone der Schöpfung.

Und es kommt, wie es kommen muss, es entsteht ein Virus, der eine tödliche Wirkung haben kann, den wir schnell verbreiten und der schnell mutiert. Heute haben wir schon die L-Mutation. Und wir? Wir tanzen weiter und tun so, als ginge uns das gar nichts an.

Wir „bekämpfen“ den Virus mit Tests, die kaum eine Aussage haben und mit Impfstoff, neudeutsch „Vaccin“ genannt. Wir sollen Masken tragen – aber das ist ja anstrengend. Wir sollen Abstand voneinander halten – aber das können wir im Gedränge am Ramschtisch ja gar nicht. Wir sollen Fernreisen unterlassen – aber wo bleibt da meine persönliche Freiheit? Wir hätten es in der Hand, aber wir sind zu überheblich. Uns fehlt die Demut, das Zurückstehen hinter der gemeinsamen Sache: der Erde.