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Gedanken eines Rückkehrers

Er hat mich nie verlassen – sein Angebot galt immer. Auch als ich einmal gemeint hatte, es nicht mehr auszuhalten in dieser Institution Kirche und ausgestiegen bin. Er war er immer da. Unaufdringlich stand er an meiner Seite. Er konnte warten, warten auf mich. Warten darauf, dass sich mein Hochmut in Demut verwandelte. Demütig den Weg wieder zu suchen, den ich im Zorn verlassen hatte. Zorn über einen Menschen, der dieser Kirche vorstand und der mich maßlos verärgert hatte. Es hat lange gedauert bis ich es gemerkt habe: Ich habe mich nur über das Bodenpersonal geärgert.  Mit Ihm konnte ich immer reden. Ihn konnte ich alles fragen und bekam Antworten.

Eine Antwort war, dass auch ich trotz Kirchenaustritt immer noch aufgefordert sei, die Frohe Botschaft durch die Zeiten zu tragen. Da wo ich bin, ich kam da nicht raus. Und so habe ich mich tatsächlich wie der Sohn im Gleichnis vom barmherzigen Vater gefühlt, als ich zurückgekehrt bin.

Ich denke, die Institution Kirche ist wieder einmal auf dem Weg die Abraumbirne gegen sich selbst zu richten. Wie so oft in ihrer zweitausendjährigen Geschichte sind es aber die Menschen, die aus der Institution Kirche das pilgernde Volk der Kirche machen und sie von innen erneuern. Und wir brauchen beides: die Kirche als Ort, der uns in dieser Zeit Halt gibt und Heimat ist, und die  Erneuerung. Allzu lange haben wir es einfach hingenommen, dass auch institutionell Verrat am Evangelium geübt wird. Und das dürfen wir nicht länger zulassen. Die Kirche braucht uns und wir brauchen die Kirche. Wenn wir nicht mehr in und mit der Kirche das Evangelium in die Welt tragen, wird es auf lange Sicht keine Frohe Botschaft mehr geben.

Und es ist ja nun tatsächlich auch so, dass wir überall in der Kirche Menschen finden können, die auf dieser Pilgerschaft sind, die sich redlich bemühen, ihr Leben an der Frohen Botschaft auszurichten. Nach wie vor sehe ich diese Menschen in der Kirche, ja, auch und gerade bei Religionslehrern und Religionslehrerinnen, bei Pastoral-, Gemeindereferentinnen und -referenten, Diakonen, Priestern oder bei Nonnen und Mönchen in Klöstern.

„Höre Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig!“  „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt.“ Mein Glauben spannt sich zwischen diesen beiden Sätzen aus. Er ist die Verbindung vom alten zum neuen Bund. Verheißungsvoller Ausblick in die Zukunft. Da meldet sich einer zu Wort, der zwei große Versprechen macht: Ich, dein Gott bin einzig und ich begleite dich bis an das Ende. Was für eine mächtige Aussage. Kein Mensch, sei er noch so „groß“, könnte dies jemandem versprechen. Ich, der ich bin, bin alle Zeit bei dir!

Gibt es ein größeres Versprechen?