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Rheinische Lebens(Un-)Art

Rheinische Lebens(Un-)Art

„Der Humor gehört zu jenen Körpersäften, welche die seelische Gesundheit des Menschen positiv beeinflussen.“ Zitat von Sebastian Kneipp, der bekanntlich ein Schwabe war.

Auch wenn ich nicht gebürtige Rheinländerin bin (in Pommern während des Krieges geboren und auf-gewachsen im „Kohlenpott“), habe ich doch etwas von der elysischen Lebensfreude während meiner rheinischen Jahre mitnehmen können nach Bayerisch-Schwaben. Unsere beiden Kinder, die in Köln geboren sind, wohnen heute in Berlin und München und sind sozusagen unter anderem auch Botschafter in Sachen „Humor“. Rheinländer und Rheinländerinnen haben meist in ihrem Erbgut schon die Fähigkeit, den Ernst des Lebens zwar wahrzunehmen, aber das Leben gelassen und nicht allzu ernst zu nehmen.

Dazu verhilft ihnen unter anderem das „Rheinsche Grundgesetz“.

Hier die ersten Artikel:

  • Artikel 1: Sieh den Tatsachen ins Auge - et es wie et es
  • Artikel 2: Hab keine Angst vor der Zukunft - et kütt wie et kütt
  • Artikel 3: Lerne aus der Vergangenheit - Et hätt noch immer joot jejange

Übergroßen Respekt vor Autoritäten, seien sie politischer oder klerikaler Natur, kann man den Rheinländern nicht vorwerfen, sie versuchen meist, den schwierigen Verhältnissen eine lustige Seite abzugewinnen. Bezeichnend dafür ist das Liedgut, besonders Karnevalslieder, die nach den ersten drei Takten mit großer Inbrunst von allen Anwesenden mitgesungen wer-den. Wobei zu bemerken ist, dass sie Weltmeister sind im Kirchturmdenken und Lokalpatriotismus.

Als nach dem Krieg die Stadt Köln in drei Besatzungszonen aufgeteilt wurde (britisch, französisch und amerikanisch) wurde das Lied „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“ komponiert, mit flotter Melodie. Der rheinische Katholizismus zeigt sich ebenso gelassen wie manchmal respektlos, zum Beispiel in dem Lied „Mer losse de Dom in Kölle“ und in der Beschreibung der Theke in der Altstadt als „säkularen Beichtstuhl mit einem Beichtvater ohne Ehelosigkeitsgelübde“. Auch die Reliquien der Hl. Ursula, Stadtpatronin, werden gesehen als „Gegenstand katholischen Merchandising“. Dies gilt auch als Ursache für das Phänomen, dass Heilige mindestens 400 Finger gehabt haben müssen. Der frühere hochverehrte Kardinal Frings hat in der Nachkriegszeit den hungernden und frierenden Gläubigen von der Kanzel aus erlaubt, Kohlen und Nahrungsmittel zu stehlen, ohne im Jenseits richterliche Konsequenzen zu befürchten. Man nennt es bis heute „fringsen“. Ein weiteres Beispiel ist, dass Klosterfrau Melissengeist zu „Betschwester-Wodka“ umbenannt wird.

Trotz des lockeren Umgangs mit kirchlichen Begriffen ist der innige Glaube an einen gütigen Gott tief in der rheinischen Seele verankert, wie das folgende Gebet von W. Schneider-Clauß bezeugt:

„Wie lang Do, Här, mich noch wells levve loße eß meer egal

un wat Do schecks an Öschel, Möh und Kroose, ich nemm et all.

Nor gevv meer, dat, sulang Do mich ließ levve, der Kopp hält us,

Dat andre ich noch immer kann gevve als Hätzenstruß.“

Auf Hochdeutsch:

Wie lang Du, Herr, mich noch willst leben lassen, ist mir egal.

Und was Du schickst an Sorge, Müh und Plag, ich nehm es an.

Doch gib mir, dass, solange Du mich leben lässt, der Kopf hält‘s aus,

dass anderen ich noch immer geben kann den Herzensstrauß.

Lokalpatriotismus zeigt sich auch im folgenden Witz:

Drei Menschen treffen sich und prahlen damit, wessen Nachname historisch der Älteste ist. Der Hamburger heißt Bäcker, der Münchner Zimmermann, der Kölner natürlich Schmitz. Sagt der Hamburger: „Meine Vorfahren waren bei der wunderbaren Brotvermehrung beteiligt.“ Antwortet der Münchner: „Meine Vorfahren bauten die Arche Noah.“ Darauf der Kölner: „Ihr kennt doch die Geschichte von Adam und Eva im Paradies? Dat Eva, dat wor ne jeborene Schmitz!“

Und zum Schluss noch zwei Witze:

Ein Passant fragt den Pitter: „Was sucht denn die Frau da drüben?“

Pitter: „Die sucht nen 10 €-Schein.“

„Woher wissen Sie das?“

„Weil isch den jefunge han."

Schäl: „Idiote, wat sind dat?“

Tünnes: „Du Jeck, dat sin Minsche wie du un isch.“

Alaaf you Baby!

Maria-Brigitte Falkenberg