St. Nikolaus zu Murnau

P. Josef Gerner in Uganda

P. Josef Gerner aus Ugnada berichtet diese Tage am Telefon: "Die meisten Menschen werden nicht am Virus sterben, aber viele an Hunger, der durch die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus schon vielerorst entsteht. Die Katastrophe steht bereits vor der Haustüre." Er bittet uns und Sie dringend, in dieser Krise die Ärmsten dieser Welt nicht zu vergessen.

P. Josef Gerner, der seit über 20 Jahren in einem der ärmsten Länder der Welt lebt, gibt uns mit seinen Zeilen einen kleinen 'Einblick in seine Arbeit.

 

Brief von P. Josef Gerner vom 15.03.2020     Opit, 15. März 2020


Liebe Freunde in der Heimat,
Lange, zu lange habe ich geschwiegen. Doch all Eure großzügige Hilfe kam an und ist bereits umgesetzt. Dank allen! Vergelt‘s Gott! Mit meinen fast 85 Jahren geht es mir gut trotz einiger Unfallbeschwerden.  
Heute zuerst ein Zwischenwort zur Situation in Uganda. Das politische System ist kapitalistisch und unsozial. Die Reichen werden schnell reicher, die Mehrzahl kämpft ums Überleben. Keine Krankenversicherung. Alles muss bezahlt werden – Medizin, Operationen, Unfälle usw. Bei fast keiner Arbeitsmöglichkeit! Wo Arbeit – sie ist völlig unterbezahlt! Schulgebühren sind hoch, zu hoch und für Reiche und Arme gleich – eine totale soziale Ungerechtigkeit! Im Gericht gewinnt meistens, wer bezahlt. Ererbtes Land geht verloren. Gnade Gott den mittellosen Witwen und Kindern! Korruption an der Tagesordnung! Ich kann nur mit Jesus sagen: „Mich erbarmt des Volkes!“ Wir helfen viel für Kranke, Kindern speziell in Schulen, Hunger, etc.
Fast 40 Jahre im Einsatz in Ostafrika – Uganda, Kenia, Uganda! In den Slums/Elendsvierteln von Nairobi in Kenia, im brutalen Krieg mit den Kindersoldaten in Uganda und im täglichen Einsatz in der Evangelisierung in meist harten Situationen wurde mir sehr klar: Entwicklungseinsätze, Notlinderung, Hilfe für Ausbildung usw. sind Teil der Evangelisierung. Doch Projekte in Schulen, Krankenhäusern usw. fallen leider oft in die Hände von skrupellosen, profitgierigen Ausbeutern, die alles umfunktionieren zum eigenen Gewinn. Selbst qualifizierte Ärzte verlangen für ihre Dienste unerschwinglich hohe Summen. Wer nicht bezahlt, stirbt! Leider schaffen auch profitgierige Sektierer ein böses Umfeld.
Ganz befreiend erlebe ich, wie die Kirche wächst. Da ist viel gutes Hinhören und Offenheit da, vor allem bei vielen Jugendlichen. Überall wollen sie Kirchen, um eine neue Heimat zu schaffen, setzen sich sehr dafür ein mit ihrer Arbeitskraft. Jetzt erweitern wir gerade unsere Pfarrkirche in Opit, die viel zu klein ist für so viele Gottesdienstbesucher. Comboni sagte: Das Evangelium verwandelt die Herzen! Ja, das stimmt, wo es angenommen wird! Nur mitfühlende echte Barmherzigkeit weist in die Zukunft- und die finden wir nur durch Jesus Christus!  
Die neue Pfarrei Odek konnten wir aufbauen und bereits an einen einheimischen Priester übergeben.  Nächstes Jahr wird auch Opit übergeben an einen Diözesenpriester. Das braucht noch eine gediegene Vorbereitung, auch auf finanzielle Weise. Wir Combonis arbeiten woanders weiter!
Nochmals Dank, vielen Dank und Gottes großen reichen Segen!

Euer P. Josef Gerner
 
Liebe Freunde,
dieser Brief von P. Gerner erreichte uns kurz, bevor Corona in Uganda angekommen war.
 In einem Telefongespräch erzählte P. Gerner nun, wie die Menschen darunter leiden, Menschen, die schon vorher kaum das Nötigste hatten. Die Vorschriften sind noch strenger als bei uns, Geschäfte und Schulen geschlossen, Kirchen von der Polizei zugeriegelt. Viele Menschen leben draußen auf dem Land in ihren Hütten, auch da gilt das Ausgehverbot. Viele werden nicht überleben. Die Polizei ist überall und z.T. sehr brutal. Ein junger Pfarrer versuchte weit draußen seiner Pfarrei im Busch einen kleinen Gottesdienst zu halten, um den Leuten Mut und Hoffnung zu machen. Er wurde verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Dort landen z.Zt. viele schon beim kleinsten Verstoß. Ob sie je wieder herauskommen?  
Wie gut wird da bei uns alles organisiert in dieser Situation. Wir müssen uns z.T. massiv einschränken, aber nicht hungern. Für jeden ist die Versorgung gesichert. Wir können nur dankbar sein, in diesem Land zu leben. 

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