Die Orgeln in St. Nikolaus und Maria-Hilf

Die Nenninger-Orgel in St. Nikolaus

Unsere Orgel umfasst 22 Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal:

 

Hauptwerk (Manual I)                Nebenwerk (Manual II)               Pedal

Prinzipal 8´                                  Holzgedackt 8´                             Subbass 16´

Rohrflöte 8´                                  Prinzipal 4´                                  Quintbass 5   1/3´

Oktave 4´                                    Gedacktflöte 4´                             Oktavbass 8´

Spitzflöte 4´                                 Oktav 2´                                       Choralflöte 4´

Quinte 2   2/3´                             Sesquialter 2-fach                        Rauschbass 2   2/3´

Superoktav 2´                             Oktävlein 1´                                  Fagott         16´

Mixtur V 1   1/3´                          Scharff  IV 1   1/3´        

Trompete 8´                                Krummhorn 8´

 

Als so genannte Spielhilfen dienen drei Koppeltritte:

II-I             II-Ped         I-Ped

Die Register- und Spieltraktur ist mechanisch. (Aluminiumdraht und Aluminiumstangen)

 

Die Orgel von St. Nikolaus in Murnau

Die heutige Orgel von St. Nikolaus wurde im Jahr 1970 von der Orgelbaufirma Guido Nenninger aus München erbaut. Die Gehäuse-front stammt vermutlich aus dem frühen 19. Jahrhundert.

Bei der großen Kirchenrenovierung in den 1960-er Jahren wurde an der Westfassade der Kirche der bis dahin zugemauerte Fensterbogen hinter der Orgel wieder geöffnet. Die ca. 100 Jahre alte und recht große Steinmeyer-Orgel  musste deshalb zum Teil abgebaut werden, sodass von diesem Zeitpunkt an nur noch ein Manual und das Pedal spielbar waren. Aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen verzichtete man auf einen Umbau des vorhandenen Instrumentes und beschloss in aller Eile einen „Orgelneubau“.

Innerhalb nur eines Jahres erstellte die Firma Nenninger ein 2-manualiges Standard-Orgelwerk nach dem Vorbild der Orgel im Marienmünster in Dießen am Ammersee.

Leider ist die Nenninger-Orgel handwerklich und klanglich von geringer Qualität. Aus Kostengründen wurde damals dem historischen Eichenholz-Orgelprospekt ein Unterbau aus billigen Spanplatten angefügt, ebenso im nicht sichtbaren hinteren Gehäuseteil ein grober Verschlag aus Spanplatten.

Die Schauseite der Orgel zeigt mittlerweile deutlich sichtbare Wasserschäden und ist unprofessionell verschraubt. Elektrische Installationen im Orgelgehäuse lassen zu wünschen übrig.

Die Registertraktur ist äußerst schwergängig, weil die Kugellager im Gestänge verharzt sind und nicht ohne weiteres ausgebaut werden können. Die Tontraktur aus Aluminiumdraht ist im Laufe der Jahre ausgeleiert und lässt sich nicht mehr exakt justieren. Viele Teile sind abgenutzt und teilweise nur notdürftig ersetzt worden.

Immer mehr Teile aus Kunststoff (z.B. Winkel) werden brüchig und porös. Zum Teil können sie nicht ausgewechselt oder geklebt werden, weil der Orgelbauer die Einzelteile nicht erreicht.

Vor einigen Jahren wurde bereits die Balganlage und sämtliche Teile aus Leder einer Ausbesserung unterzogen. Trotzdem verliert die Orgel im Ruhezustand viel Luft und es entstehen unangenehm hörbare  Blas- und Zischgeräusche. Die gesamte Mechanik der Orgel klappert lautstark, der Gebläsemotor ist schlecht gedämmt und deutlich hörbar.

Die Tastenbeläge der Klaviaturen haben sich zum Teil abgelöst oder sind wegen der schlechten Verklebung mit den Jahren verrutscht; so entstehen ungleichmäßige Abstände, die für den Organisten beim Spielen hinderlich sind.

Die Orgelpfeifen stammen zum Teil aus der Vorgängerorgel, teils wurden einzelne Pfeifenreihen (Register) zusammen mit neuem Material vermischt oder ergänzt. Das Orgelmetall ist von minderer Qualität und teils brüchig.

Der Orgel fehlt es an einem ausgewogenen klanglichen Konzept. Für die Größe unserer Kirche ist sie zu klein dimensioniert, was man vor allem bei voll besetzter Kirche deutlich hört.

Aus heutiger Sicht hat die Orgel einen proportional zu obertonreichen Klang, der von vielen Zuhörern als unangenehm laut empfunden wird. Tatsächlich aber hat das Werk kein Fundament in den tiefen Basslagen, der Orgelklang hängt sozusagen „in der Luft“ und wirkt dadurch kraftlos, aber dafür sehr schrill.

Die so genannten Zungenstimmen (Trompete, Krummhorn, Fagott) wurden in den 80-er Jahren eingebaut, haben aber zu wenig Kraft, den Orgelklang tragfähig zu machen, weil die Schallbecher aus Kostengründen viel zu kurz bemessen sind. Einzelne Register klingen teils schön und interessant, aber in Kombination miteinander verlieren sie an Charakter und mischen sich zu wenig.

Die neue Truhenorgel der Fa. Schingnitz in Maria-Hilf

Die Truhenorgel besitzt 3-1/2 Register auf einem Manual

 

Marienflöte 8´ (als Holzgedackt 8´)

Drachenflöte 8´ ab c° (als Salizional 8´)

Marktpfeiferl 4´ (als Holzflöte 4´)

Moosflöte 2´ (als Holzoktave 2´)

 

Als so genannte Spielhilfen dienen

Suboktavkoppel   -   Superoktavkoppel   -   Schwellklappe   -   Vibrato (Flügelrad über den Pfeifenreihen)

 

Die neue Truhenorgel in Maria-Hilf (Einweihung am Pfingtmontag 2019)

Jahrzehntelang wurden die Gottesdienste in der Maria-Hilf-Kirche auf einer elektronischen Sakralorgel begleitet, die vorne seitlich rechts – kaum sichtbar – im Altarraum stand. Der unbeheizte und feuchte Kirchenraum machte den elektrischen Kontakten in der Orgel schwer zu schaffen, sodass einige Töne gar nicht mehr oder sehr unzuverlässig funktionierten. Eine Reparatur erschien nicht sinnvoll, da die Technik in der Orgel mittlerweile längst überholt ist.

Die Orgelbaufirma Schingnitz, die seit Jahren unsere große Orgel in St. Nikolaus stimmt und pflegt, hat von sich aus angeboten, für ein paar Wochen unentgeltlich und quasi probehalber eine Truhenorgel mit 3-1/2 Registern in Maria-Hilf aufzustellen. Sie steht jetzt links vorne neben dem Hochaltar. Der besondere Unterschied zum bisher vorhandenen alten Instrument:

Hier wird der Ton nicht elektronisch, sondern wie bei einer mechanischen Pfeifenorgel auf altbewährte Weise durch Luft erzeugt.

Das kleine Instrument ist ein handwerkliches Meisterstück, es klingt mit seinen 201 Pfeifen nicht nur wunderbar, sondern sieht auch noch hervorragend aus und lässt sich unkompliziert transportieren: ohne jegliches Werkzeug lässt sich der obere Teil vom unteren Gehäusesockel abheben, sodass beide Teile problemlos in einen Kofferraum passen. Der Gebläsemotor und die Balganlage sowie die größten Holzpfeifen befinden sich im unteren Sockel, die Windlade sowie die Pfeifenreihen im oberen Teil. Die meisterhaft geschnitzten Füllungen am Orgelgehäuse lassen den Schall in den Kirchenraum frei, im Deckel der Truhenorgel befindet sich eine Schwellklappe, sodass die Lautstärke nochmals variiert werden kann.

Das Instrument eignet sich mit seinen ausgewählten Registern hervorragend für die Begleitung des Stundengebetes sowie für den Gemeindegesang in den Werktagsgottesdiensten.

Glücklicherweise hat sich die Kirchenverwaltung sehr unkomplziert und großzügig für den Kauf der Truhenorgel eingesetzt, sodass sie nun fester Bestandteil der liturgischen Feiern in Maria-Hilf ist.

Thomas Walser (Stand: 29.04.2020)