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Krisen kommen meistens unerwartet

Krisen kommen meistens unerwartet. Es bleibt dann keine oder nur sehr wenig Zeit, sich darauf vorzubereiten. Sie bringen alles durcheinander. Das gewohnte Lebensgefüge droht zu zerbrechen. Dramatische Ereignisse haben das bewirkt. Im März 2020 hat uns die Covid-19-Pandemie aus dem gewohnten Leben herausgerissen, bzw. erst einmal ruhiggestellt. Seither ist nichts mehr wie es war.

Eine Krisensituation war auch nach dem Karfreitagsereignis auf dem Berg Golgota in Jerusalem. Schlimmer hätte es nicht kommen können. Die Mächtigen hatten mal wieder die Muskeln spielen lassen. Ein Menschenleben zählt bei ihnen nichts. Es ist zum Davonlaufen. Zwei von den Jüngern Jesu machen sich aus dem Staub. Doch er, dem sie davongelaufen sind, er läuft ihnen nun nach – um sie wieder einzuholen. Obwohl sie als Jünger und Freunde so total versagt hatten, kündigt er ihnen seine Freundschaft nicht auf, sondern tut alles, damit sie wieder zu ihm finden. Er kommt mit ihnen wieder langsam ins Gespräch, speist sie aber nicht ab mit frommen Sprüchen, er fordert kein Schuldbekenntnis von ihnen und keine Reue, sondern er fragt sie ganz einfach nach ihren Sorgen und Nöten. Ja, auf ihrem Weg, da dürfen sie diejenigen sein, die sie wirklich sind: Menschen mit Zweifeln und vielen Fragen. Geduldig hört er ihnen zu – und er ist ihnen Hilfe in der Not ihres Glaubens.

Spüren wir eigentlich, welches Kirchenbild uns da gezeichnet wird? Kirche, das sind demnach nicht nur die, die treu dem Herrn „nachlaufen“, sondern das sind auch die, denen ER nachlaufen muss. Kirche sind anscheinend nicht nur die, die ihn gefunden haben, sondern auch die, denen ER so lange nachgehen muss, bis sie sich von ihm finden lassen. Kirche sind dieser Geschichte nach dann eben nicht nur die „guten Frommen“, die „Heiligen“, sondern auch die Zweifler und die Verirrten – und alle, die ihre großen Schwierigkeiten mit dem Glauben haben. Und genau damit zeigt uns diese Geschichte sehr deutlich: Nicht „die Kirche“ entscheidet, wer dazugehört und wer nicht, sondern das entscheidet allein ER.

Spüren wir da nicht eine ungeheure Aktualität dieses Evangeliums für uns heute? Nicht nur für die Kirche, sondern auch für mein persönliches Leben? Ist ihnen aufgefallen, dass wir nur den Namen eines dieser beiden Männer kennen, denen Jesus da nachläuft und mit denen er sich an den Tisch setzt? Kleopas so heißt er. Der andere bleibt fremd. Ich bin überzeugt: Der Evangelist Lukas hat das sehr bewusst so gemacht: Ein leerer Platz, der einlädt, dass wir dort unseren eigenen Namen einsetzen.

Und damit macht der Evangelist uns sicher die Zusage: Auch Dir geht der Auferstandene nach!  Auch an Dir hat ER so viel Interesse, dass er Dich sucht, auch Dein Herz zum Brennen bringen will. Und auch mit Dir will ER sich an den Tisch setzen und mit Dir das Brot brechen. Mit Dir will er Gemeinschaft haben, egal ob Du Stefan, Maria, Hans oder Gabi heißt, egal was in deinem Leben gewesen ist.

Und noch etwas: Emmaus – so heißt der Ort, zu dem zuerst die Zwei und dann die Drei unterwegs waren. Das „Schöne“ an Emmaus ist, dass man gar nicht genau weiß, welcher Ort wirklich im heutigen Israel damit gemeint ist. Denn es gibt inzwischen vier Orte, die diese Geschichte für sich in Anspruch nehmen.

Vielleicht will uns das ja sagen: Emmaus kann überall sein – warum nicht auch bei uns?

Das ist doch unser Glaube: Der Auferstandene ist lebendig. Und er macht sich immer noch auf den Weg, um seine Kirche zu suchen und zu sammeln. Auch heute Morgen. Und auch hier in Riegsee, Murnau und Eschenlohe… – und überall auf der Welt.