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7 Minuten Spirit für Sonntag, den 12.09.2021

Lesung: Jakobus 2,14-18
Meine Schwestern und Brüder, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten?
Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung sind und ohne das tägliche Brot und einer von euch zu ihnen sagt: Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen – was nützt das? So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat. Aber es könnte einer sagen: Du hast Glauben und ich kann Werke vorweisen; zeige mir deinen Glauben ohne die Werke und ich zeige dir aus meinen Werken den Glauben.

Impuls:
Ein einfacher und kurzer, aber doch so bedeutungsschwerer Text: Jakobus spricht vom Glauben und von den Werken, die der Glaube im Alltag hervorrufen sollte.
Wir alle kennen das: Da tut einer recht heilig oder scheinheilig, doch wenn wir genauer hinsehen, so bleibt kein gutes Gefühl zurück. Da rennen die Leute z.B. in die Kirche und beten recht fromm, doch wenn der Gottesdienst vorbei ist, stehen sie draußen und lästern. Man fragt sich: Wo ist da der Glaube? Ist die zur Schau gestellte Frömmigkeit nur oberflächlich? Was passiert da in der Tiefe?
Oder im Alltag: Da werden großartige Versprechungen gemacht, egal ob von Politikern, in Beziehungen oder bei Geschäftskontakten, aber am Ende stellt sich vieles als heiße Luft heraus. Alles bleibt unverbindlich, nur so daher gesagt, nicht ernst gemeint, einfach nur dahingeplätschert. Eine Mogelpackung quasi. Das hinterlässt uns verärgert, enttäuscht, manchmal sogar verletzt.
So geht es derzeit wohl vielen Menschen in Deutschland: sie sind unzufrieden, weil sie von der Regierung große Versprechungen oder Vorgaben bekommen, aber am Ende halten sich die Politiker selber nicht daran, für sie scheinen dann andere Regeln zu gelten. Zurück bleibt Wut.
Aus meinem Umfeld höre ich Vergleichbares auch aus dem Beziehungsleben: Da hatte man so große Träume, so schöne Hoffnungen zu Beginn der Beziehung. Doch am Ende stellt sich vieles als schal heraus, inhaltsleer, fremd, oberflächlich, nichtssagend. Nur so dahergeredet, versprochen, aber nicht eingehalten, nicht verbindlich, nicht verlässlich, und vor allem nicht in die Tat umgesetzt.

Am heutigen Text der Lesung erkennen wir: dieses Problem gab es schon vor 2.000 Jahren. Jakobus sagt klar: ein Glaube ohne Werke zählt nichts, nützt nichts. Man kann nicht nur flott und einfach den Rat geben: „Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!“, wenn der andere gar nicht die tatsächliche Möglichkeit hat, Frieden zu finden, sich zu wärmen und sich satt zu essen. Wenn es am Notwendigsten fehlt, nämlich Essen, Kleidung und Wohnung, dann hilft kein schneller Rat, sondern da braucht es echte Werke der Nächstenliebe: Aufnahme in meiner Wohnung, Bekleidung des anderen mit meinen Kleidern, das Verschenken oder Spenden von Geld und Lebensmitteln. Echte, tatkräftige Hilfe ist erforderlich. Nicht nur reden, sondern handeln. Dem anderen hilft es nicht in seiner Not, wenn ich gläubig bin und oft in den Gottesdienst gehe. Es hilf ihm mehr, wenn ich ihm das gebe, was er jetzt im Moment ganz konkret für sein Leben braucht.
Jakobus schreibt weiter: „Der Glaube für sich allein ist tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat.“

Das ist ein wertvoller Ansatz für uns: man kann offenbar auf viele verschiedene Arten seinen Glauben leben und Gottesdienst tun, z.B. durch den Besuch eines vereinsamten Nachbarn oder eines Freundes, durch Spenden oder indem man jemandem einfach mal zuhört und ihm seine Zeit schenkt. Wenn man echte Werke der Barmherzigkeit tut.
Mir persönlich sind meist die Menschen lieber, die tatkräftig zupacken und nicht nur reden. Die einfach mal handeln und Ideen in die Tat umsetzen und sich nicht nur von Bedenken leiten oder nur schöne Worte sprechen lassen. Es gibt einem außerdem ein wunderbares Gefühl, wenn man etwas angepackt hat, wenn man ein gutes Werk getan hat. Man spürt, dass man nicht nur dem anderen etwas Gutes getan hat, sondern auch sich selbst.

Wenn zu viel gedacht anstatt gehandelt wird, dann fehlt auf Dauer die Lebendigkeit. Wir müssen vom Kopf zum Herzen und von dort in die Handlung kommen, sonst bleibt alles Schall und Rauch. Es darf im Christentum nicht beim alleinigen Gebet und beim Glauben bleiben, es müssen dem Glauben auch Werke folgen. In einer lebendigen Kirchengemeinde gibt es daher nicht nur schöne und feierliche Gottesdienste, sondern unbedingt auch Seelsorge, Krankenbesuche, Fürsorge von Mensch zu Mensch, gemeinsame Aktionen. Den Worten müssen die Werke folgen. Glaube muss handfest und greifbar sein, damit man ihn spüren und an andere weitergeben kann.
Was für den Glauben und das kirchliche Leben gilt, lässt sich übertragen auf unsere Beziehungen und Freundschaften: Es hilft nichts, wenn die Beziehungspartner immer wieder in Aussicht stellen und es auch vorhaben, sich zu ändern, es dann aber immer nicht tun. Es bringt uns auch nicht weiter, wenn wir selber versprechen, uns zu entwickeln und die Dinge künftig anders anzugehen, diese Vorsätze aber nicht in die Tat umsetzen. Und auch das Reden über Beschwernisse oder Pläne bringt uns nicht weiter, wenn den Worten keine Taten folgen.

Wenn der Gedanke nur im Kopf bleibt und nicht ins Werk kommt, dann verpufft er irgendwann. So ist es in Glaubensdingen ebenso wir im richtigen Leben. Was nur gesprochen ist, verhallt. Der Glaube allein wird irgendwann schal und inhaltsleer. Die Werke aber bleiben.
Nun ließe sich vielleicht sagen: „Na, dann sind mir also die tätigen Menschen lieber, dann braucht es ja gar keinen Glauben!“. Doch das greift zu kurz. Ohne Glauben habe ich oft nicht den Antrieb, Werke zu vollbringen. Dann kreise ich nur um mich, um mein Leben, um meine Familie, meinen Erfolg, mein Wohlbefinden, meinen Konsum. Warum sollte ich mich da um andere kümmern? Jeder lebt dann nach dem Motto: „Alle denken an sich, nur ich denk an mich.“ Doch der christliche Glaube schreibt mir vor, eben nicht nur um mich selber zu kreisen, sondern mich um andere zu sorgen, Werke der Barmherzigkeit zu tun.
Was sagt uns das für unser Leben in der Welt? Wenn man die Worte des Jakobus ernst nimmt, dann müssen wir hier uns auch darum kümmern, dass die Menschen in anderen Teilen der Welt genug Nahrung, Kleidung, Wasser und Versorgung haben. Wir müssen umdenken und anders handeln als wir es die letzten Jahrzehnte getan haben.
 

Anregung für die kommende Woche:
Nächste Woche möchte ich überlegen, wie ich meinen Glauben in echte Werke umsetzen kann. Ich bemühe mich, jede mögliche Gelegenheit zu einem Werk zu nützen, und sei das Werk auch noch so klein.
In diesem Sinne wünsche ich allen eine tatkräftige Woche!

Barbara Grabmaier