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Eine geistliche Betrachtung zum November: Ein Lichtblick für andere werden

Zeitumstellung, Novemberwetter, Corona - viele Menschen sehen den kommenden Monaten mit Sorge entgegen. Tristesse und Niedergeschlagenheit scheinen vorprogrammiert. Ein Perspektivwechsel kann helfen.

Der November ist bekanntlich ein trüber Monat: Die Uhren sind gerade umgestellt, die Tage werden immer kürzer, und das Wetter spielt auch oft genug nicht mit. Das ist schon Grund genug, keine besonders gute Laune zu haben. Dazu kommt nun auch noch die Corona-Pandemie, die uns in diesem Herbst und Winter vor besondere Herausforderungen stellt. Treffen draußen sind wetterbedingt fast nicht möglich, und die steigenden Fallzahlen verhindern sowieso spontane Konzert- und Schwimmbadbesuche oder andere Aktivitäten in geselliger Runde, die für bessere Laune sorgen könnten. Wie soll man mit diesem Monat also umgehen?

Eine Möglichkeit wäre, sich die Decke über den Kopf zu ziehen und einfach vier Wochen lang abzuwarten, bis es endlich Dezember wird und damit zumindest durch all die Weihnachtsbeleuchtung wieder heller wird. Allerdings werden in diesem Dezember die wenigsten Veranstaltungen stattfinden können, die sonst den Alltag aufhellen - adventliche Konzerte, Weihnachtsmärkte oder Weihnachtsfeiern mit Kollegen. Also braucht es eine andere Strategie, um in den kommenden Wintermonaten nicht der Trübsal zu verfallen.

Der Theologe Heinrich Spaemann hat dafür die passende Aussage geprägt: „Was wir im Auge haben, das prägt uns, dahin werden wir verwandelt. Und wir kommen, wohin wir schauen.“ Wie also die kommenden Wochen und Monate werden, hängt auch davon ab, wohin ich meinen Blick wende. Möchte ich das Schlechte sehen und all das, was nun gerade nicht geht? Oder entdecke ich, dass doch viel mehr möglich ist, als ich erwartet hätte? Leuchten nicht sogar die positiven Dinge in der dunklen Jahreszeit noch stärker als im Frühjahr, wo alle Welt auf gute Laune und neues Leben ausgerichtet ist?

Das bedeutet nicht, naiv die Augen vor der Realität zu verschließen - eher im Gegenteil. Denn realistisch gesehen, gibt es neben all dem, was im November eher niederdrückend ist, weiterhin viele kleine, alltägliche Wunder und positiven Ereignisse: das buntleuchtende Herbstblatt, das Lieblingslied im Radio, das nette Gespräch mit der Nachbarin im Treppenhaus, Alltagskomik. Größere Feiern im Freundeskreis werden wir wohl erstmal vertagen müssen, ebenso den entspannenden Saunabesuch. Aber dadurch, dass bestimmte Dinge nun vorübergehend wieder nicht möglich sind, entsteht vielleicht buchstäblich Raum für anderes, das sonst zu kurz kommt: Wenn wir in diesem Winter schon mehr als sonst durch Corona in den eigenen vier Wänden zubringen müssen – warum die Zeit nicht auch nutzen, um die eigene Wohnung noch mehr als sonst wohnlicher zu gestalten und zu einem Wohlfühlort zu machen? Und sei es durch einen beleuchteten Papierstern im Fenster, der die dunklen Monate erhellt. Wenn alles grau und trist zu sein scheint, kann er uns vielleicht auch daran erinnern, unseren Blick auf die hellen und wertvollen Erlebnisse zu lenken. Wer gerade in buchstäblich dunklen Zeiten Ausschau hält nach den kleinen Wundern und schönen Begebenheiten im Alltag, der wird sie entdecken. Denn: Wir kommen dahin, wohin wir schauen. Es lohnt sich also, sich an dem zu orientieren, was gerade stärkt und beflügelt.

Um diesen positiven Blick einzuüben und zu einer Haltung werden zu lassen, kann es hilfreich sein, jeden Abend mit den liebenden Augen Gottes auf den Tag zu schauen. Das Gebet der liebenden Aufmerksamkeit der ignatianischen Spiritualität bietet hierfür einen hilfreichen Leitfaden. Es hilft, Gottes Spuren im Alltag zu entdecken und fragt jeden Tag: Was war heute tröstend, heilend, stärkend?  Wer so jeden Abend auf den Tag zurückschaut, der wird bald auch im Laufe des Tages immer mehr von dem entdecken, was Kraft spendet und aufbaut. Auch dann, wenn diese Dinge manchmal ganz klein sein mögen – ein geschenktes Gänseblümchen vom Nachbarskind, ein intensives Abendrot oder das Lob des Kollegen.

Am Ende geht es darum, offen und aufmerksam für das Gute zu sein, was trotz aller novembrigen Tristesse und Kälte um einen herum passiert. Spätestens dann, wenn man die kleinen Wunder im Blick behält und in sie hinein verwandelt wird, strahlt man selbst von innen heraus. So kann man selbst zu einem Lichtblick für andere Menschen werden.

Von Kerstin Berretz OP (KNA) Bonn (KNA)