Aktuelles & Neuigkeiten

Der Monat Januar

Der Monat Januar

Der Januar oder Jänner - wie er in Österreich und Südtirol genannt wird - stammt von der römischen Bezeichnung „Januarius“ für den ersten Monat des Jahres und wurde dem römischen Gott Janus gewidmet, dem Gott des Anfangs und des Endes, der Ein- und Ausgänge, der Toren und Türen. Er trägt zwei Gesichter, das eine schaut in die Vergangenheit und das zweite in die Zukunft. Seit 153 v. Chr. eröffnet er als erster Monat das Jahr im römischen Reich. Davor war der März der erste Monat und Januar der elfte mit 29 Tagen. Diese Änderung war eine entscheidende Solarkalenderreform, auf die die julianische im Jahr 45 v. Chr. und die gregorianische im Jahr 1582 n. Chr. folgten. Durch diese Maßnahmen wurden die monatliche Tagesanzahl, die Tagesanzahl des Jahres sowie die Monatsanzahl des Jahres immer wieder an-gepasst und Fehler korrigiert. Ebenso hat sich die Bezeichnung der Monate erst entwickeln müssen. Alle heutigen Bezeichnungen stammen aus dem julianischen Kalender und verweisen meistens auf Planeten des Sonnensystems, die eben-falls als Götter im römischen Reich verehrt wurden.

Unser heutiger gregorianischer Kalender ist zwar auch nicht perfekt, ist aber der genaueste aller bekannten Kalender und kann leichter angepasst werden. Für diese Reformen hat die genaue Be-rechnung von religiösen Feiertagen eine wesentliche Rolle gespielt, zum Beispiel der Frühlingsbeginn und das Osterfest für die Christen.

Während sich der gregorianische Kalender für die Zeitberechnung durchgesetzt hat, gibt es in anderen religiösen Kulturräumen andere Kalender wie den jüdischen und den islamischen. Auch viele christlichen Kirchen mit byzantinischem Ur-sprung verwenden immer noch den julianischen Kalender. Die fehlerhafte Verzögerung in diesem Kalender hat bis heute dafür gesorgt, dass diese Kirchen ihr Weihnachtsfest erst am 7. Januar feiern und nicht am 25. Dezember wie für die Nutzer des gregorianischen Kalenders.

Bei der Reflektion über den Monat Januar hat vor allem die Gottheit Janus meine Aufmerksamkeit erregt. Als Gott des Anfangs und des Endes bildet er eine gewisse Parallele zur Bezeichnung für Jesus im Buch der Offenbarung als Alpha und Omega, Anfang und Ende.

Außerdem faszinieren mich seine beiden Gesichter. Wie jedes Symbol in unseren kulturellen Reichtümern hält er einen Aspekt unseres menschlichen Daseins fest: die Kontinuität zwischen Vergangenheit und Zukunft. Die meisten unserer Unternehmungen im neuen Jahr werden auf das aufbauen, was im vergangenen Jahr entstanden ist. Kursänderungen und Reformanstößen werden von der Vergangenheit geprägt. Von manchem Saatgut werden wir nach den Früchten Ausschau halten müssen. Dennoch ist die traumatische Seite der Vergangenheit auch bekannt. Manche Menschen würden gerne gewisse Epochen ihres Lebens am liebsten ausblenden wollen, wie z. B. das Jahr 2020. Dass auch unsere dunklen Phasen in unserem gesamten Leben als Geschenke betrachtet werden können, liegt da-ran, wieweit wir in der Lage sind, sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft dankbar anzunehmen. Vielleicht ist das der Grund, warum uns die Natur im fortschreitenden Alter unser zweites Gesicht Richtung Vergangenheit immer deutlicher werden lässt.

Eines dürfen wir nicht vergessen und das drückt Gabriel Garcia Marquez folgendermaßen aus: „Egal, was auch passiert, niemand kann dir die Tänze nehmen, die du schon getanzt hast.“

Vincent Semenou, Pastoralreferent